6 Thesen zur Erneuerung des Textilmuseums St. Gallen

 

Ideenwettbewerb, 2020

1 - Die Strassenfassade bleibt erhalten

Die strassenseitige Hauptfassade mit ihrer kraftvollen Tektonik gewinnt ihren Ausdruck auch durch den symmetrischen Aufbau und den mit Bossenwerk ausformulierten Sockel. Dieser wird nur mittig durch den Haupteingang unterbrochen und betont somit den Zugang zum Gebäude. Diese fein austarierte Hierarchisierung ist ein integraler Bestandteil des Gebäudes und darf nicht unwiederbringlich aufgegeben werden.

3 - Bestand und Eingriff sind differenzierbar

Um die Authentizität und Lesbarkeit beider Projektbestandteile zu ermöglichen müssen der historische Bestand und seine späteren Veränderungen unterscheidbar sein. Die baulichen Anpassungen von 1955 erfüllen dieses Kriterium nicht und werden rückgebaut. Historische Teile werden möglichst originalgetreu restauriert, auch die Wiederherstellung der ursprünglichen Backsteinfassade kann geprüft werden.

5 - Das Museum ist ein dreiseitiger Baukörper

Das Gebäude besitzt eine Hauptfassade an der Vadianstrasse, eine von der Kanzleigasse aus sichtbare Seitenfassade und eine Rückfassade zum Hof. Um die Verkehrsströme zu entflechten, die Orientierung zu stärken und den Stadtraum allseitig mit einzubeziehen, sollten auch alle drei Seiten aktiviert werden. Für das Café besitzt der Vorplatz an der Kanzleigasse ein grosses Potenzial und grosszügige Platzverhältnisse.

2 - Strukturelle Eingriffe werden minimiert

Änderungen am Tragwerk werden mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Schäden am historischen Bestand führen. Vor allem die Arbeiten an den Bodenplatten und dem Fundament direkt unter der Bibliothek werden aus diesem Grund kritisch bewertet. Zur Erstellung des ebenerdigen Zugangs wird deshalb nur ein vergleichsweise kleiner, punktueller Eingriff zu Errichtung einer Lift- und Treppenanlage vorgeschlagen.

4 - Die Aufstockung ist ein Dach

Sie wird in Leichtbauweise aus einem statischen Tragskelett und einer schützenden Hülle konstruiert und nimmt somit typologisch Bezug auf das ursprüngliche Dach des Bestandes. Zeltartig spannt sich die textil wirkende Bekleidung über die aussen als Strebepfeiler in Erscheinung tretenden Stützen. Sie übernehmen die Gliederung der Bestandsfassade und stellen die statische Grundlage für die innere Raumfigur dar.

6 - Das Café wird im Hochparterre platziert 

Die Gastronomie kann hier besser in den Museumsrundgang integriert werden und die riskanten Arbeiten am Tragwerk entfallen. Über den seitlichen, ebenerdigen Eingang erhält das Café einen unabhängigen Zugang und tritt nach Aussen hin als eigenständige Adresse auf.  Die historischen Räume bieten ein einzigartiges Ambiente und der vorgelagerte Platz hochwertige Aussensitzplätze mit Blick in den Strassenraum.

Patrick Arnold Architekt ETH, Pfingstweidstrasse 6, 8005 Zürich  

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