Gesamtsanierung & Erweiterung Schulanlage Moosmatt, Luzern
Gesamtsanierung & Erweiterung Schulanlage Moosmatt, Luzern
Gesamtsanierung & Erweiterung Schulanlage Moosmatt, Luzern

Gesamtsanierung & Erweiterung Schulanlage Moosmatt, Luzern

 

Projektwettbewerb im offenen Verfahren, 2021

Die Setzung des Neubaus nimmt Bezug auf die ursprünglichen Erweiterungspläne von Karl Mossdorf selbst. Die beiden gespiegelten Hauptgebäude an der Voltastrasse liessen eine Mittelachse entstehen, die orthogonal in die Tiefe des Schulhofes führt. An dieser Stelle sitzt der Haupteingang des Neubaus, wovon er sich als liegender Baukörper in Richtung Moosmattstrasse weiterentwickelt. Der Neubau steht im grosszügigen Garten, nicht an der Strasse. Konsequenterweise wurden die Mitarbeiterparkplätze in eine Tiefgarage verlegt, womit sich der westliche Bereich zwischen Neubau und Moosmattstrasse für einen grosszügigen Quartiersspielplatz nutzen lässt. Er lässt den erweiterten Schulhof an die Strasse stossen und verbindet die Aussenräume auf einladende Weise mit dem Quartier. Der durch das Areal verlaufende Moosmattweg zusammen mit der Wegachse von Seiten Voltastrasse teilt den Aussenbereich so in drei Bereiche: in den vom Altbau gefasste Schulhof, den Spielgarten um den Neubau und den Sportbereich im Baumgeviert. Der Neubau sitzt frei im Garten. Während er sich zwar an den Wegachsen und der Ausrichtung des Bestandes orientiert, behauptet er auch seine Eigenständigkeit. Die Erweiterung ist eine respektvolle, aber autarke Ergänzung. Sie nimmt zwar vielfältig Bezug zum Bestand, aber schärft ihren Charakter auch auch im Kontrast dazu.

 

Landschaftsarchitektonisches Gesamtkonzept

Der viergeschossige Bau besitzt einen kompakten Fussabdruck. Zusammen mit der Verlegung der Parkplätze in die Tiefgarage führt dies zu einer erheblichen Vergrösserung der wertvollen Aussenraumfläche. Zudem kann das Areal so weitgehend verkehrsfrei gestaltet werden, was die Sicherheit der Schüler:innen erhöht. Die Gestaltung des Aussenraumes lehnt sich an die bauzeitliche Gartenplanung an und übernimmt diese in Charakter und Ausgestaltung. Hierfür wird der Baumbestand mit Neupflanzungen auf den Originalbestand angeglichen, die Anordnung der Nutzungen erfolgt nach dem Prinzip der ursprünglichen Anlage. Der Hartplatz bei den Bestandsbauten wird weiterhin als Pausenplatz genutzt und erlangt dank dem Abriss des Garderobenanbaus wieder seine eigentliche Grösse. Vom Schulbetrieb leicht versetzt und durch das Baumgeviert gefasst finden die sportlichen Aktivitäten auf dem östlichen Rasenfeld statt. Der Rasen und ein farblich angepasster Sportbelag werden hier zu einer Einheit. Die Parzelle des Neubaus beherbergt an der Moosmattstrasse den Spielplatz, der direkt von der Strasse aus erschlossen wird und ein Angebot an das Quartier darstellt. Während die Aussenraumangebote der Betreuung im Sinne von vielfältigen Stationen im Schulhof verteilt sind, befindet sich der Spielbereich des Kindergartens in einem abgezäunten Bereich im geschützten südlichen Teil der Parzelle. Hier dominieren heimische Bäume und Sträucher, die zwischen dem Massstab der grossen Stadtbäume im Schulhof vermitteln.

Die Loggien werden in das Bepflanzungskonzept mit einbezogen und können von den Gruppen der Betreuung und des Kindergarten im Sinne eines Schulgartens selbstständig bepflanzt werden. Die bepflanzte Fassade ist nicht nur Element der Partizipation, sie verbessert auch das Microklima und verleiht dem Gebäude einen jahreszeitenabhängigen Ausdruck.

Architektonisches Gesamtkonzept

Der Neubau steht gleich einem Möbel im südlichen Garten, der an den Schulhof angrenzt. Mit seinem gegliederten Ausdruck und der Holzfassade setzt er sich klar vom Bestand ab und sucht über seine Feinheit, Massstäblichkeit und die Ausformulierung des Auladaches dennoch Anschluss an diesen. Aus nachhaltigen und robusten Materialien erbaut ist er eine zeitgemässe Antwort auf den massiven Bestandsbau und steht mit diesem in einem dialektischen Dialog. Gleich einem Holzgestell nimmt die Fassade verschiedene Funktionen an, lässt sich mit Holzelementen oder auch PV-Modulen füllen und spielt mit der symmetrisch angelegten Grundstruktur und den asymmetrischen Gegenelementen, wie dem Eingang und der Überhöhung der Aula.

Konstruktiv handelt es sich hierbei um eine naturfarben druckimprägnierte Holzfassade, die durch Stufungen die Elementgrösse verringert und durch geschossweise auskragende Bänder und das auskragende Dach tektonisch einen konstruktiven Holzschutz ausbildet. Auf einem dünnen Betonsockel sitzt es im Erdgeschoss beinahe direkt auf der Erde und verbindet sich mit dem Aussenraum. Mit den begrünten Loggien zieht sich dieser bis in das oberste Stockwerk und bietet neben der Haupttreppe so eine zweite Erschliessungslogik im Aussenraum. So erhalten sämtliche Gruppen des Kindergartens und der Betreuung über eine direkte Adresse vom Aussenraum, die nicht nur die persönliche Auffindbarkeit steigert, sondern auch die Personenströme erheblich entflechtet. Das Haus ist somit dreiseitig zugänglich und begehbar und passt sich diesbezüglich den verschiedenen Nutzungsgruppen an.

 

Denkmalpflegerischer Umgang mit dem Bestand

Für die Bestandsbauten wird eine sanfte Sanierung vorgeschlagen, die das schützenswerte Gebäudeensemble unter Berücksichtigung energetischer Vorgaben wieder möglichst nahe in seinen Ursprungszustand aus der Bauzeit versetzt. An der Fassade wird der Putz erneuert und durch einen Hochleistungsdämmputz gleicher Stärke ersetzt. Die Sockelpartien aus Horwer Sandstein bleiben erhalten und werden repariert. Die Aussenwand wird innen ebenfalls mit einem Dämmputz versehen, was in einer optimalen, symmetrischen Dämmung ohne Tauwasser resultiert (siehe Infobox). Zusammen mit dem Aussenputz kann so bereits mit minimalen Aufbau der vorgeschriebene U-Wert von 0.25 W/m2K erreicht bzw. unterboten werden. Das Dach wird konventionell mit Holzwolle gedämmt und auch der Boden gegen Erdreich wird leicht nachgedämmt. Die historischen Fenster werden erhalten und aufgearbeitet. Sie erhalten neue Dichtungen und werden mit leichten Doppelverglasungen ausgerüstet um so den vorgeschriebenen U-Wert von 1 W/m2K zu erreichen. Die Fenster aus den 1970er Jahren werden durch Dreifachverglasungen ersetzt, die sich bei Dimensionierung und Gliederung an den Originalfenstern orientieren. In diesem Zusammenhang wird auch der Sonnenschutz wieder auf textile Markisen umgestellt.

Der Einbau einer vollständigen mechanischen Lüftung wird unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten in Frage gestellt. Nach dem Prinzip «weniger ist mehr» möchten wir für den Bestand ein bedarfsgesteuertes Abluftsystem mit Wärmerückgewinnung vorschlagen. Durch CO2-Messungen gesteuert wird die Luft an wenigen zentralen Orten abgesaugt und strömt durch Lüftungsklappen im Bereich der Fenster nach. Die aus der Abluft gewonnene Abwärme wird wiederum in das Heizsystem eingespiesen und so für die Erwärmung der Zuluft verwendet. Hierfür müssen weniger Leitungen verlegt werden, der sichtbare Eingriff in den historischen Bestand kann deutlich verkleinert werden.