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Neue Mehrzweckanlage Oberhofen, Münchwilen 

 

Wettbewerb, 2020

 »Anknüpfen an die Geschichte heisst Weiterbauen am Vorhandenen« 

Das neue Veranstaltungshaus Oberhofen ist ein Gebäude mit ebenso vielen Gesichtern wie Nutzern: Zur Eschlikonerstrasse tritt es mit der historischen Fassade klar als öffentliches Gebäude auf. Nach Westen hin fasst es den Schulhof räumlich mit einer Fassade, die Einblicke in den Turn- und Veranstaltungssaal gewährt. Die von Weitem sichtbare Südfassade bildet den Bühnenraum ab, der mit einem grossen Vorhang geschlossen werden kann. Und Richtung Osten bildet es ein Ensemble mit dem Kulturpavillon, der als Bindeglied zwischen Schulcampus und Kirche als allseitiger Baukörper funktioniert. So vermitteln und prägen, erhalten und erneuern die beiden Neubauten den Stadtkern von Münchwilen und schaffen einen Ort, der Generationen verbindet. 

Umgang mit dem Bestand

 

Die denkmalgeschützte Mehrzweckhalle entspricht technisch nicht mehr den heutigen Anforderungen, doch das Gebäude selbst hat lange noch nicht ausgedient. Seine 80-jährige Geschichte ist tiefgreifend mit der von Münchwilen verbunden. Anstatt sie auszulöschen, sollte sie für die kommenden Generationen erhalten und weitererzählt werden – als Vorzeigeprojekt für den nachhaltigen Umgang mit bestehender Baustruktur, ganz im visionären Geist seiner ursprünglichen Erbauer. 

Die Mehrzweckhalle Oberhofen ist in ihrer Form einzigartig und ein Vorzeigebeispiel der Architektur am Anfang des 20. Jahrhunderts. Die für die Schweiz typische Ausprägung der gemässigten Moderne mit der Kombination von traditionellen und modernen Elementen war identitätsstiftend für das Land und hat bis heute nichts von ihrer Ausstrahlung verloren. Dabei sind die Qualitäten des Bestandes offensichtlich und erhaltenswert: Der Auftritt zur Eschlikonerstrasse hin ist funktional und doch repräsentativ. Als Gegenspieler zum historischen Schulhaus bildet es mit diesem gemeinsam ein identitätsstiftendes Ensemble. Die Anhebung des Erdgeschosses zum Hochparterre ermöglich Tageslicht in den darunterliegenden Umkleideräumen. Und die schon vorhandene Auslegung des Gebäudes für verschiedene Funktionen und Nutzungen bietet eine ausgezeichnete Grundlage für dessen Umnutzung und Ausbau. 

Die Analyse des Bestandes zeigt, dass die bestehende Mehrzweckhalle weder in der Grundfläche, noch in der Höhe den heutigen Anforderungen entsprechend angepasst werden kann. Das Foyer und die Erschliessung, sowie die Räumlichkeiten im Tiefparterre lassen sich allerdings problemlos umbauen. Anstelle eines Ersatzneubaus wird deshalb ein Umbau mit Ergänzung vorgeschlagen. Mit diesem Vorgehen werden die Nutzungsanforderungen erfüllt und auch auf die Anforderungen des Denkmalschutzes eingegangen: Bewährtes erhalten, Gebrauchtes ertüchtigen und Altes erneuern. 

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Der denkmalgeschützte Bestand wird mit Umbau (1), Ergänzung (2) und Erweiterung (3) den heutigen Ansprüchen angepasst und weitergebaut.