1/7

Beitrag für den Projektwettbewerb Neubau Hallenbad Frauenfeld, 2018 - 2019

Das Hallen-, Frei- und Sprudelbad Frauenfeld befindet sich an einem einzigartigen Ort. Von Wasser umflossen und Bäumen gesäumt liegt es bereits mitten in der Natur und grenzt dennoch direkt an das Stadtzentrum an. Als Naherholungsgebiet und Sportangebot besitzt es daher eine hohe Qualität und Wichtigkeit für die Bevölkerung von Frauenfeld. Mit dem Neubau des Hallenbades entsteht nun die Möglichkeit, nicht nur auf technischer und funktionaler, sondern auch architektonischer und städtebaulicher Ebene diese Qualitäten und deren offenes Potenzial zu klären, weiter auszubauen und voll auszuschöpfen. 

 

Der Projektvorschlag nimmt die Ausrichtung der bestehenden Freibadbecken auf und bildet einen länglichen, niedrigen Baukörper entlang des Murgkanals aus. Dieser Baukörper wirkt raumtrennend, nicht raumbildend: Kreisförmig von Bäumen eingefasst, steht er zwischen dem städtischen Raum im Osten und der Parkanlage des Freibades im Westen. Beide Räume haben durch die lose Baumsetzung zwar eine nahe Verwandtschaft, durch die unterschiedliche Ausgestaltung der Oberflächen aber dennoch einen unterschiedlichen Charakter. Der östliche Vorplatz besitzt eine asphaltierte Oberfläche, die durch chaussierte Bereiche unterbrochen wird. Er formuliert einen Bezug zum Stadtkern von Frauenfeld und lädt Dank der Verkehrsberuhigung mit den schattenspendenden Platanen und den Sitzgelegenheiten zum Verweilen ein. Die westliche Parkanlage des Freibades mit ihren weitläufigen Rasenflächen und der dichten Einfassung durch Bäume löst sich von allem Städtischen und gewährt dem Besucher so ein erholendes Naturerlebnis. Durch den Abriss der bestehenden Garderoben wird dieses Erlebnis noch gestärkt und die Dominanz des Gebauten minimiert. Der Baukörper des Hallenbades spannt sich, einem Findling gleich, zwischen dem nördlichen Hügel und der südlichen Topografie und das Freibad wird so im Norden, Süden und Westen zukünftig nur noch durch die natürlichen Elemente der Topografie und Bäume gefasst. Die östliche, vorgelagerte Terrasse vermittelt nicht nur zwischen den Höhenniveaus des Geländes, sondern bietet auch einen erhöhten und somit ausgezeichneten Ort für das gastronomische Angebot.

 

Der vorgesehene Wellnessbereich wird nicht als Anbau, sondern als Aufbau formuliert. Die benötigten Räume werden innerhalb der bestehenden Fassade verwirklicht, wodurch die äussere Erscheinung in ihrer Homogenität und Ganzhaftkeit bewahrt bleibt. Das ‚Upgrade’ des Angebotes geschieht im Inneren und wird so zum integralen Bestandteil des Hallen-, Frei- und Sprudelbades. Der Dachgarten des Wellnessbereiches wird dabei zu einem zentralen Element des Gebäudes und bildet als Ergänzung zum Vorplatz und der Parkanlage einen dritten, einzigartigen Typ Aussenraum. Einem ‚Hortus Conclusus’ ähnlich gibt er seinen Besuchern zwar Privatsphäre, gewährt aber auch Ein- und Ausblicke in die Schwimmhalle und über das Freibad. Seine Bepflanzung mit verschiedenen Arten Ahorn verleiht ihm eine spezielle Atmosphäre, die sich in ihrer Farbigkeit mit dem Verlaufe der Jahreszeiten ändert.

 

 

Architektur und Ausdruck

 

Die Räumes das Bades werden in einem linearen Baukörper zusammengefasst. An den nördlichen Kopfteil folgen die grosse Schwimmhalle und der Erker mit dem Sprudelbad und den Rutschen im Süden. Das ansteigende Gelände an beiden Enden lässt den Baukörper eins werden mit der Topografie. Seine mineralische Fassade aus strukturiertem Beton gibt ihm entsprechend eine rohe, felsenartige Erscheinung. Die durch den Vorsprung evozierte Dreigliederung des Baukörpers, sowie die dezente Ausformulierung des Daches und der Fensterfaschen zeichnen ihn aber gleichzeitig als öffentliches Gebäude aus, das sich mit seinem verglasten Foyer und der grossen Verglasung der Schwimmhalle einladend zum Vorplatz hin öffnet. Das Gebäude formuliert allseitig vier verschiedene Fassaden und reagiert so spezifisch auf den Kontext. Während die Hauptfassade zum Vorplatz hin den Fokus auf die verglaste Eingangspartie und die Schwimmhalle legt, öffnet sich die Fassade zum Freibad einer Kolonnade gleich in regelmässigen Rhythmus hin zur Natur. Die Stirnfassade im Norden nimmt mit ihren punktuellen Lochfenstern ein städtisches Gesicht an, während die südliche Fassade mit dem Erker und der skulpturalen Rutschanlage sich klar auf das Freibad mit den bereits vorhandenen Rutschen orientiert. 

 

 

Funktion und Erschliessung

 

Das Foyer richtet sich mit seiner grosszügigen Verglasung zum Vorplatz hin aus und belebt diesen durch die Möglichkeit, im Aussenbereich Bestuhlung für die Gäste der Cafébar anbieten zu können. Der Besucher betritt das Schwimmbad durch das Foyer, wo er durch eins von zwei Drehkreuzen geht. Das rechte führt direkt ins Freibad und durch die ebenerdigen Garderoben zum Hallenbad, das linke führt in den Liftvorraum, wo Besucher des Restaurants oder eines Wettkampfes in das 1.Obergeschoss fahren und Gäste des Wellnessbereiches direkt in das 2.Obergeschoss gelangen. Aufgrund der Lage im 2.Obergeschoss kann der Wellnessbereich perfekt an die Schwimmhalle angebunden werden, eine grosszügige Treppe verbindet beide Geschosse direkt. Das Restaurant besitzt direkten Blickkontakt zum Nichtschwimmerbecken und hat gleichzeitig Bezug zur Aussenterrasse, wo die angrenzende Küche über ein separates Verkaufsfenster zusätzlich das Freibad bedient. Als Nachtzugang kann das Restaurant zusätzlich über den Anliefereingang betreten werden, wo Gäste über das Treppenhaus und den Warenlift in das 1.Obergeschoss gelangen. Dort befindet sich zusätzlich das Sitzungszimmer, das über den Lift vom Foyer und über den Gang direkt von der Schwimmhalle aus erschlossen wird. Über den doppelgeschossigen Windfang besitzt es Blickkontakt zum Eingangsbereich und hat Aussenraumbezug. Der Warenlift besitzt eine Kabinengrösse von 2m x 3m, wodurch Wartungs- und Reparaturarbeiten an der Bädertechnik im Untergeschoss problemlos ausgeführt werden können. Zusätzlich kann eine Revisionsöffnung vorgesehen werden, bei der dieser Bereich über die Garderoben erreichbar ist. Die zentrale Organisation der Geschosse um einen Kern ermöglicht kurze Wege und eine effiziente und übersichtliche Wegführung.

Team

Brandschutz: Gruner AG, Zürich

 

Tragwerksplaner: Ferrari Gartmann AG, Chur

 

Landschaftsarchitektur: Antón LAndscape, Zürich

 

HLKS: Kalt+Halbeisen Ingenieurbüro, Zürich

 

Bäderplanung: Beck Schwimmbadbau, Winterthur

Patrick Arnold Architekt ETH, Pfingstweidstrasse 6, 8005 Zürich  

• 

0041 78 696 1188

•